Patienten-Rechtsschutzversicherungen versprechen schon für wenige Euro pro Monat Schutz vor den Kosten juristischer Auseinandersetzungen um ärztliche Behandlungs- und Beratungsfehler. In erster Linie füllen sie aber die Taschen der Versicherer, während das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten auf der Strecke bleibt, warnt Dr. Udo Wolter, der Präsident der Landesärztekammer Brandenburg.
Tatsächlich stagniert die Zahl der Behandlungsfehler seit Jahren auf niedrigem Niveau. So wurden im Jahr 2010 bei den Schlichtungsstellen der Ärztekammern lediglich 11.016 Anträge gestellt. In gerade einmal 2.199 Fällen wurden Patienten tatsächlich falsch behandelt oder unzureichend über die Risiken aufgeklärt. Zum Vergleich: pro Jahr gibt es allein in Berlin etwa 22 Millionen Behandlungsfälle.
In Anbetracht derartig niedriger Fallzahlen stecken aus Sicht von Dr. Wolter vor allem wirtschaftliche Interessen hinter den Policen: "Versicherungen sind Wirtschaftsunternehmen, denen es um den Profit geht. Die beste Rendite fahren Policen ein, die eigentlich niemand braucht. Das ist zwar legitim, aber ganz sicher nicht im Interesse des Patienten."
Der eigentliche Schaden bestehe aber darin, dass solche Angebote das Vertrauensverhältnis zwischen Arzt und Patienten dauerhaft beschädigen könnten. Die beiden müssten partnerschaftlich zusammenarbeiten, um gemeinsam die bestmögliche Therapie zu finden. Das sei aber kaum möglich, wenn dem Patienten suggeriert wird, er müsse sich vor seinem Arzt schützen und dem Mediziner die Angst vor rechtlichen Konsequenzen im Nacken sitzt. Wohin das führen kann, zeigt ein Blick in die USA. Dort schrecken viele Ärzte vor notwendigen Therapien zurück, weil sie die Haftungsrisiken fürchten. "Misstrauen und optimale Behandlung, das geht nicht zusammen. Wer seinem Arzt nicht vertraut, der sollte keine Versicherung abschließen, sondern lieber den Arzt wechseln", rät Dr. Wolter.
Dazu sehen die Patientinnen und Patienten in Deutschland allerdings wenig Anlass. In einer Umfrage im Auftrag der Kassenärztlichen Bundesvereinigung gaben jüngst 91 Prozent der Befragten an, ein gutes bis sehr gutes Vertrauensverhältnis zu ihrem Arzt zu haben. "Wir wollen natürlich, dass das so bleibt. Eine Verrechtlichung des Arzt-Patienten-Verhältnisses kann sich dabei allerdings nur negativ auswirken. Bei Streitigkeiten führt der richtige Weg für den Patienten über die unabhängigen Gutachterkommissionen und Schlichtungsstellen der Ärztekammern und sicher nicht über Versicherungsunternehmen", so Dr. Wolter.