Nach monatelangen Verhandlungen haben
sich Union und SPD Anfang Juli auf Eckpunkte
für die geplante Gesundheitsreform verständigt.
Während Bundeskanzlerin Angela Merkel
(CDU) einen "wirklichen Durchbruch" verkündete,
diagnostizierten die Medien einen "mühsamen
Kompromiss", einen "Griff in die Taschen
der Bürger" oder einen "kleinen Wurf".
Auch die Ärzteschaft reagierte verhalten bis
skeptisch auf die angekündigten Reformvorhaben:
"Wir anerkennen die Bemühungen der
Gesundheitspolitiker, für die Ärzte berechenbare
Vergütungsstrukturen aufzubauen und
überbordende Bürokratie abzubauen. Aber,
bei allem Wohlwollen, eine Blaupause für eine
nachhaltige Finanzreform der gesetzlichen
Krankenversicherung sind diese Eckpunkte
nicht", sagte Bundesärztekammer-Präsident
Prof. Dr. Jörg-Dietrich Hoppe. Man bleibe die
Antwort schuldig, wie Ärzte und Patienten mit
schon bestehender Unterfinanzierung und Rationierung
umgehen sollen, kritisierte Hoppe.
Der Vorstand der Kassenärztlichen Bundesvereinigung
erklärte, sich mit vielen Zielsetzungen
grundsätzlich identifizieren zu können.
Aber: "Entscheidend werden letztlich die Detailformulierungen
sein."
Das Eckpunktepapier sieht vor, dass die Beiträge
zur gesetzlichen Krankenversicherung
(GKV) ab 1. Januar 2007 um rund 0,5 Prozent
steigen, um die bestehenden Lücken im
System zu schließen. Mit Einsparungen wird
erst mittelfristig gerechnet. SPD-Chef Kurt Beck
kündigte an, dass es lediglich marginale Leistungskürzungen
zu Lasten der GKV geben
werde. Eine der einschneidendsten Veränderungen
ist wohl die Steuerfinanzierung der
Versicherungsbeiträge für Kinder. 2008 sollen
dafür 1,5 Milliarden Euro, 2009 dann 3,0
Milliarden Euro aus Steuermitteln aufgebracht
werden. Steuererhöhungen sind - zumindest
in dieser Legislaturperiode - nicht geplant.
Gesundheitsfonds soll Wettbewerb
vorantreiben
Zudem soll ein Gesundheitsfonds eingerichtet
werden, in den alle Mittel für die Kassen fließen
und der mehr Wettbewerb zwischen den
Versicherungen bewirken soll. Kommt eine
Kasse mit dem Einheitsbetrag aus dem Fonds
nicht aus, kann sie Zuschläge erheben. Ob
diese wie von der SPD gefordert einkommensabhängig
oder wie von der Union gewünscht
als Pauschale erhoben werden, kann jede
Kasse frei entscheiden. "Wir geben damit
dem ganzen System einen großen Spielraum
und dem einzelnen Versicherten sehr viel
mehr Möglichkeiten, sich zu entscheiden",
sagte Merkel vor der Presse in Berlin.
Für die niedergelassenen Ärzte ist die Reform
des Vergütungssystems die entscheidendste
Neuerung. "Das, was derzeit da existiert, ist in
der Tat nicht mehr tragfähig", erklärte der
SPD-Vorsitzende Beck. Die große Koalition
plant nunmehr eine Honorierung nach Pauschalen
in Euro. Ferner soll einem negativen
Trend entgegengewirkt werden: Der steigenden
Zahl nicht krankenversicherter Menschen.
"Es wird einen Kontrahierungszwang geben
sowohl für die gesetzliche als auch für die
private Krankenkasse", betonte Beck. Anders
als von der SPD gefordert wird die private
Krankenversicherung jedoch als Vollversicherung
erhalten bleiben. Allerdings wird sie der
Bundeskanzlerin zufolge "in einer ganzen
Vielzahl von Bereichen" zusätzliche Verantwortung
übernehmen.
Julia Bathelt