[BÄB 02/2004] Auerswald warnt vor Ausbildungsplatzabgabe
Einen deutlichen Rückgang der Ausbildungsplätze für Arzthelferinnen
verzeichnen die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte. Bis zum 30.
09. 2003 wurden 8 Prozent weniger Ausbildungsverträge abgeschlossen
als zur gleichen Zeit des Vorjahres. "Damit reagieren die
niedergelassenen Ärzte offensichtlich auch in ihrer Personalplanung
auf die unsicheren und sich ständig verändernden Rahmenbedingungen
im Gesundheitswesen sowie die zunehmend schlechtere wirtschaftliche
Situation in den meisten Arztpraxen", erklärte Dr. Ursula
Auerswald, Vizepräsidentin der Bundesärztekammer.
Während sich noch in den letzten Jahren die Auszubildendenzahlen
erfreulich stabilisiert hatten, zeigen nunmehr die jüngsten Kostendämpfungsgesetze
erste deutliche Auswirkungen auf die Personalsituation
im ambulanten Gesundheitswesen: Schon durch die für das
Jahr 2003 gesetzlich verordnete "Nullrunde" im ambulanten Sektor,
die einer "Minusrunde" für die meisten niedergelassenen Ärzte
gleichkam, konnten keine Tariferhöhungen für das Praxispersonal vereinbart
werden. Zugleich stieg die Arbeitslosenquote bei den Arzthelferinnen
allein innerhalb des letzten Jahres um bundesweit 17,6 Prozent.
Noch nicht abzuschätzen ist, welche negativen wirtschaftlichen
Auswirkungen auf die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte durch
das GKV-Modernisierungsgesetz zukommen werden, z. B. durch zusätzliche
Verwaltungskosten für das Inkasso der Praxisgebühr. ?Dies
alles zeigt: Die Wachstumsbranche Gesundheitswesen wird von der
Politik ausgebremst!", kritisierte Auerswald.
Negative Auswirkungen für Ausbildung und Beschäftigung seien auch
durch die geplante Einführung einer Ausbildungsplatzabgabe zu befürchten.
"Völlig unberücksichtigt bleibt dabei, dass die Ärzteschaft
ihr Soll im Gegensatz zu anderen Ausbildungsbereichen seit Jahren
übererfüllt", so Auerswald.
In den rund 103.000 Arztpraxen waren Ende 2002 immerhin rund
46.500 Ausbildungsplätze registriert. "Wir erwarten deshalb von der
Politik, dass sie diese freiwillige Leistung anerkennt und gründlich
überdenkt, ob eine Ausbildungsplatzabgabe der richtige Weg ist,
mehr Jugendliche in Ausbildung zu bringen", sagte Auerswald. Es sei
zu befürchten, dass eine möglicherweise als "Strafsteuer" empfundene
Abgabe den aktuellen Negativtrend eher noch verstärken könnte.
Quelle: Brandenburgisches Ärzteblatt 2/2004