Gründungsmitglieder
erinnern sich:
Dr. med. Reiner Musikowski
Facharzt für Chirurgie, niedergelassen als Chirurg in Cottbus
- 1990 bis 1992 Vorstandsmitglied der Landesärztekammer
Brandenburg
- bis 1996 Mitglied der Kammerversammlung
- 1990 bis 1992 Vorsitzender des Ausschusses Kammergesetz
- bis 1996 Vorsitzender des Ausschusses Satzungs- und Geschäftsordnungsfragen
- seit Anbeginn Mitglied des Verwaltungsausschusses der Ärzteversorgung Land Brandenburg
Erinnerungen an die Gründung der
Landesärztekammer Brandenburg
Fast zehn Jahre sind vergangen, seitdem das Ende der DDR eingeläutet wurde. Mit großer
Hoffnung und auch mit Freude erwartete ich wie viele andere die kommenden Veränderungen
im gesellschaftlichen und beruflichen Leben.
Damals, als chirurgischer Assistenzarzt am Carl-Thiem-Klinikum Cottbus, schloss ich mich
der Initiativgruppe um Dr. Kirchner zur Gründung der Ärztekammer im Land Brandenburg an.
Mit viel Elan und getragen von der Begeisterung, die beruflichen Aufgaben der Ärzteschaft
in hohem Maße endlich selbst regeln zu können, gründeten wir zunächst die Ärztekammer
Land Brandenburg e. V. Neben den zu organisierenden Wahlen zur ersten Kammerversammlung
war es notwendig, das umfangreiche Regelwerk der ärztlichen Selbstverwaltung zu
erarbeiten, wobei ich mich persönlich besonders um die Hauptsatzung und die Berufsordnung
bemühte. In der Kürze der Zur Verfügung stehenden Zeit wäre dies ohne die
Unterstützung durch die Ärztekammern des Saarlandes, von Berlin, Westphalen und
Nordrhein nicht möglich gewesen.
Später bemühten wir uns, intensiv an der Erarbeitung des ersten Heilberufsgesetzes des
Landes Brandenburg mitzuwirken und erarbeiteten einen eigenen Entwurf. Manches konnten wir
erreichen, groß war aber unsere Enttäuschung, als Regelungen über die
Fachwissenschaftler der Medizin praktisch über Nacht in den Gesetzentwurf aufgenommen und
verabschiedet wurden, die nicht unsere Zustimmung finden konnten. Hier mussten wir das
erste Mal lernen, wie sich Gesundheitspolitik gegen Berufspolitik durchsetzen kann.
Leider haben sich in den Jahren die Beispiele verfehlter Gesundheitspolitik gehäuft.
Immer knapper werdende Kassen, die Budgetierung der Ausgaben auf der einen Seite und das
Versprechen der Politik und Krankenkassen auf der anderen, alle Leistungen der modernen
Medizin für Jedermann zur Verfügung zu stellen, zwingen die Ärzteschaft immer mehr in
ökonomischen Kategorien zu denken und belasten das Arzt-Patienten-Verhältnis erheblich.
Wir brauchen für die Zukunft eine solide und verlässliche Finanzierung des
Gesundheitswesens, damit sich die Berufspolitik endlich wieder stärker ihren eigentlichen
Aufgaben widmen kann, und sich nicht in Verteilungskämpfen und Zerreißproben verliert.
Dazu muss die große Politik ihre Hausaufgaben aber noch machen.