Panoramabild der Kammer

Dr. med. Detlef Wegwerth

Gründungsmitglieder erinnern sich...

Dr. med. Detlef Wegwerth
Facharzt für Frauenheilkunde und Geburtshilfe,
Oberarzt in der Klinik für Frauenheilkunde und Geburtshilfe des Achenbach-Kreiskrankenhauses in Königs Wusterhausen.

  • von 1992 Vorstandsmitglied der Landesärztekammer Brandenburg, 
  • 1993 Wahl in den Aufsichtsausschuss der Ärzteversorgung Land Brandenburg

Als eifrige Leser zumindest der berufspolitischen Beiträge im Brandenburgischen Ärzteblatt wissen Sie sicher, dass ich seit 1992 Mitglied der Kammerversammlung bin. Ich wurde auf Vorschlag des Marburger Bundes in den Vorstand der Landesärztekammer Brandenburg gewählt.

Hier war und bin ich immer bemüht, die Interessen der gesamten Ärzteschaft unseres Bundeslandes zu vertreten. Mein besonderes Augenmerk gilt dabei dem ärztlichen Nachwuchs, den jungen Kollegen, die als AiPler in den ärztlichen Beruf eintreten. Des weiteren bin ich ein konsequenter Verfechter der Solidarität unter der Ärzteschaft im Land Brandenburg.

In Deutschland werden pro Jahr an den Universitäten ca. 12 000 Ärzte "produziert". Und dann beginnt der Run auf die AiP-Stellen. Wer eine Stelle hat, ruft erst einmal Hosianna. Aber nach 15 Monaten kommt der nächste Stau: Nach der Knechtschaft der AiP-Phase (Unterbezahlung, Überstunden en masse, etc., s. Editorial 10(98) beginnt das Gebuhle um die Weiterbildungsstellen. Jetzt müssen sich viele junge Kollegen weiter "prostituieren": Weiterbeschäftigung zu AiP-Gehältern, unbezahlte Überstunden – wie gehabt. Es ist unbegreiflich. Die Politik sieht tatenlos zu. Dabei ist die aufgefordert und verpflichtet, die Rahmenbedingungen für Auswege aus der derzeitigen Misere zu schaffen. Wenn sie weiter "Däumchen" dreht, ist das Chaos vorprogrammiert! Oder hat sich die Politik inzwischen auf Chaosverwaltung "eingeschossen"?

Verringerung der Medizinstudentenzahl ist bis auf Widerruf gefordert, auch wenn das dem Grundgesetz widerspricht.
Zur Solidarität innerhalb der Ärzteschaft des Landes Brandenburg: Ich habe unlängst ein Gespräch mit einem Vorstandsmitglied der Landeszahnärztekammer Brandenburg gehabt, Fazit: Ihr Humanmediziner seid doch von allen guten Geistern verlassen, dass ihr euch so auseinander dividieren lasst! Nun werden viele sagen: Das ist doch nur eine Berufsgruppe! Aber warum sollte es nicht in vielen Berufsgruppen, ambulant und stationär, genauso zugehen? Die Zahnärzte haben so viel erreicht, wovon die Humanmediziner nur träumen können.

Der Solidaritätsgedanke zieht sich seit 1992 wie ein roter Faden durch die Berufspolitik im Lande Brandenburg. Dabei wird er an der Basis (Vertragsärzte und angestellte Ärzte) aktiv gelebt.

Seit 1992 ist die Solidarität "Einbahnstraßenfußball", praktiziert von den gewählten Vertretern der niedergelassenen Ärzte. Nach dem Motto "Haltet den Dieb" wird auf die Krankenhausärzte gezeigt. Die Entsolidarisierung gipfelte in der zweiseitigen Vereinbarung KVBB – IKK zu Besuchen bei operierten Patienten auf der Station am 3./4. Postoperativen Tag: "Lassen Sie sich entlassen. Ich betreue Sie ambulant". Dafür soll die doppelte Summe gezahlt werden als für eine lebensrettende Maßnahme im Notdienst.

Das verschlägt einem die Sprache! Auf Nachfrage wurde von der KV erklärt: "Wir wollten von denen Geld. Da mussten wir die Kröte schlucken." Diese Vereinbarung wurde ohne Inkenntnissetzung der Landeskrankenhausgesellschaft und der Landesärztekammer getroffen.
Dabei befindet sich der Krankenhausbereich ebenso im Würgegriff der Krankenkassen wie die niedergelassenen Kollegen. Wenn der Vorstand der KV nicht eine diesbezügliche Kehrtwendung macht, ist die Vertreterversammlung gefragt.

Liebe Kolleginnen, liebe Kollegen, mein Wunsch an Sie als grenzenloser Optimist: Bitte, bitte, bitte, lasst uns die Solidarität wieder aufleben. Nur gemeinsam sind wir stark.

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