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Jahresbericht

Geschäftsbericht 2020

Vorstand und Geschäftsführung legen Rechenschaft über die Tätigkeit der Landesärztekammer Brandenburg ab.

Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz, Präsident

Als wir uns an die ersten Planungen für 2020 gemacht haben, handelte es sich bei Corona scheinbar nur um ein lokal begrenztes Geschehen im fernen China – in einer Stadt mit dem Namen Wuhan, die kaum jemand von uns vorher gekannt hat.

Wir sind davon ausgegangen, dass das 30jährige Jubiläum unserer Landesärztekammer Brandenburg ohne Frage zu den wichtigsten Ereignissen dieses Jahres gehören würde. Auch deshalb und wegen der positiven Erfahrungen im Vorjahr wollten wir wieder einen Ärzteball durchführen und hatten sogar schon die Zusage eines ebenso prominenten wie eloquenten Keynote-Speakers für die Festveranstaltung erhalten.

Corona hat dann aber alles verändert. Bereits kurz nachdem die WHO die Epidemie zur Pandemie erklärte, wurden die Kolleginnen und Kollegen mit Engpässen und die Bevölkerung mit massiven Einschränkungen konfrontiert wie sie bislang weder die Bürger noch wir Ärztinnen und Ärzte in der 30-jährigen Geschichte des vereinten Deutschlands erlebt haben. Die Landesärztekammer hat sowohl den Ärzteball als auch die Jubiläumsveranstaltung wegen der COVID-19-Pandemie abgesagt. Ähnliches galt für zahlreiche Fortbildungsveranstaltungen, die nun häufig als Webinare angeboten werden. Vorstandssitzungen wurden meist als Videokonferenzen durchgeführt. Insgesamt wurden Präsenzveranstaltungen auf wenige Ausnahmen beschränkt, bei denen dann aber immer strenge Abstands-und Hygienekonzepte galten.

Der relativ entspannte Sommer brachte – wie von Virologen vorausgesagt – zwar etwas Luft zum Atem holen. Im Herbst und Winter hatte die Pandemie aber das Land wieder fest im Griff. Für Ärztinnen und Ärzte folgte wieder eine Ausnahmesituation, von der letztendlich niemand wusste, wie lange sie dauern wird.

Ich hoffe sehr, dass sich der desolate Mangel an Schutzausrüstungen in den Krankenhäusern und Praxen nicht wiederholen wird und dass die Politik die Zeit genutzt hat, ausreichende Depots anzulegen. Dann bin ich sehr zuversichtlich, dass die niedergelassenen Ärztinnen und Ärzte gemeinsam mit den Kolleginnen und Kollegen aus den Kliniken und dem Öffentlichen Gesundheitsdienst auch die nächsten Wellen der COVID-19-Pandemie meistern können und werden.

Doch die Pandemie hat auch für positive Erlebnisse gesorgt. Mich hat beeindruckt, wie eng die Kolleginnen und Kollegen in den niedergelassenen Praxen, in den Kliniken und im Öffentlichen Gesundheitsdienst zusammengearbeitet haben. Von der sonst so oft beklagten starren Grenze zwischen den Versorgungssektoren war kaum etwas zu spüren. Hoffentlich können wir von diesem Geist etwas in die Zeit nach Corona mitnehmen. Beeindruckt und gefreut hat mich zudem, dass sich auf unseren Aufruf zur Unterstützung so schnell so viele Kolleginnen und Kollegen im Ruhestand sowie angehende Ärztinnen und Ärzte gemeldet haben.

Die Hoffnung gilt dem Impfen. Gleichwohl wird das Virus auch mit einer Impfung nicht eliminiert werden. Nahezu alle praktischen Erfahrungen mit ähnlichen Infektionskrankheiten, wie zum Beispiel Influenza, sprechen dagegen. Deshalb brauchen wir ein langfristiges Konzept, wie wir als Gesellschaft möglichst gut mit der Situation umgehen können. Das Virus ist da und es wird uns noch lange begleiten.

Für besonders gefährlich halte ich Verschwörungstheorien, die von ärztlichen Kolleginnen und Kollegen in die Welt getragen werden. Hier entsteht eine nicht zu rechtfertigende Verunsicherung der Patienten und letztendlich der Bevölkerung, durch welche nicht nur die Unzufriedenheit mit der Situation an sich befeuert wird. Bei vielen Patienten führt es zur Unsicherheit, im Bedarfsfall einen Arzt aufzusuchen, aus Angst, sich dabei mit COVID-19 anzustecken.

Auch wenn es den Anschein erweckt, dass es außer der Pandemie keine weiteren Themen gab muss ich sagen – dem ist nicht so. Das Tagesgeschäft muss auch zu Pandemiezeiten weiterlaufen. Herausragendes Thema in diesem Jahr war die neue Weiterbildungsordnung. Mit großer Mehrheit wurde auf dem Ärztetag in Erfurt die Gesamtnovelle der (Muster-) Weiterbildungsordnung verabschiedet. Im November 2018 beschloss der Vorstand der Bundesärztekammer dann die neue Musterweiterbildungsordnung deren Umsetzung in den Landesärztekammern erfolgte. Begleitet wurde dieser Prozess von einer Vielzahl an Sitzungen der Bundesärztekammergremien, des Weiterbildungsausschusses unserer Ärztekammer sowie unter Hinzuziehung der Prüfungsausschüsse.

Am 20. Juni 2020 wurde die neue Weiterbildungsordnung für Brandenburg schließlich von unserer Kammerversammlung verabschiedet. Wir haben es geschafft, in Corona-Zeiten unser Prüfgeschehen sowohl bei Facharztprüfungen als auch bei Fachsprachtests sowie den Kenntnisprüfungen aufrecht zu erhalten. Wir waren in der Lage trotz allem 35 Fortbildungsveranstaltungen mit insgesamt 1.100 Teilnehmern anzubieten – ein großer Teil Online. Und nicht zuletzt ist es uns unter großem organisatorischem Aufwand gelungen unsere Kammerversammlungen abzuhalten und somit auch berufspolitisch handlungsfähig zu bleiben.

Liebe Kolleginnen und Kollegen, es sind ungewöhnliche Zeiten mit denen wir uns auseinandersetzen müssen. Die Arbeit in den Kliniken und in den Praxen und auch in der ärztlichen Selbstverwaltung stellt uns jeden Tag vor neue Herausforderungen. Wir werden sicher noch eine Weile damit leben müssen. Ich bedanke mich bei allen ehrenamtlich tätigen Kolleginnen und Kollegen für Ihr Engagement und danke auch den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern für Ihre Arbeit in dieser schwierigen Zeit.

Dipl.-Med. Frank-Ullrich Schulz
Präsident der Landesärztekammer Brandenburg

Fotos:
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Archiv LÄKB, Anja Zimmermann M.A.,