Suchtmittelprobleme bei Ärztinnen und Ärzten – kein seltener Fall
Schädlicher Konsum von psychotropen Substanzen bis hin zur Suchtmittelabhängigkeit stellen die häufigsten psychischen Störungen in der Allgemeinbevölkerung dar (Meyer et al., 2000). Hierbei sind neben Alkoholproblemen insbesondere auch Medikamente mit Suchtpotential und illegale Drogen (v.a. Kokain, Opiate, Amphetamine, Benzodiazepine und Cannabis) zu nennen.
Aus zwei Gründen ist dabei der Gruppe der helfenden Berufe (Krankenpflegepersonal, Psychotherapeuten und Ärzte) ein besonderer Risikostatus zuzusprechen (Leesemann, 1995):
- Möglichkeit einer relativ uneingeschränkten Zugriffsmöglichkeit zu psychotropen Substanzen inkl. Opiaten und eine besondere Vertrautheit mit diesen Substanzen (Griffnähe)
- Besonderer Stress, ungünstige Arbeitszeiten und Konflikte im Berufsleben, die über Burn-Out-Phänomene zu einer sekundären Suchtmittelproblematik führen können
Suchtmittelprobleme bei Ärztinnen und Ärzten – immer ein bedeutsamer Fall
Wegen der besonderen Stellung und Verantwortung ist eine Suchtmittelabhängigkeit mit einer ärztlichen Tätigkeit grundsätzlich nicht vereinbar. Viel früher als bei vielen anderen Berufsgruppen besteht bei Ärztinnen und Ärzten im Falle einer Suchtproblematik Handlungsbedarf, damit für sie selbst und die Patienten schwerwiegende Nachteile vermieden werden.
Suchtmittelprobleme bei Ärztinnen und Ärzten – kein hoffnungsloser Fall
Schaffen Ärztinnen/Ärzte mit einer Suchtmittelproblematik jedoch den entscheidenden Schritt in geeignete Behandlungsangebote, dann sind besonders hohe Erfolgsquoten von bis zu 60 % zu verzeichnen (Damm, 2000):
- Das bei betroffenen Ärztinnen/Ärzte in der Regel intakt gebliebene soziale Stützsystem, ihr medizinisch-therapeutisches Wissen, ihr hohes Maß an Durchhaltefähigkeit und Selbst-kontrolle sowie die existenzbedrohenden Folgen bei Fortbestehen der Suchtproblematik stellen günstige Prognosefaktoren für die Überwindung eines Suchtmittelproblems dar.
- Speziell für Ärztinnen/Ärzte in den USA und erstmals in Deutschland durch die Landesärztekammer Hamburg konzipierte Hilfsangebote stellen eine besonders effektive Kombination von meist stationärer Initialbehandlung und anschließender ambulanter Betreuungsphase dar. Auch in Brandenburg können wir auf diese bewährte Weise unterstützen.
Das Hilfsangebot der Landesärztekammer Brandenburg besteht aus drei obligatorischen Bestandteilen:
1) Klärungsphase / Vereinbarung des konkreten Prozedere: Zunächst geht es darum, sich durch eine Vertrauensperson beraten zu lassen, um ein individuelles Hilfepaket zu schnüren. Die Vertrauensperson begleitet und unterstützt während der gesamten Hilfsmaßnahme. Alle Informationen die Person betreffend werden grundsätzlich vertraulich behandelt.
2) Initiale Behandlungsphase: Entsprechend dem Einzelfall wird Form, Setting und Dauer der Behandlung des Suchtmittelproblems festgelegt.
3) Ambulante Nachbetreuung und Überwachungsphase: Im Anschluss an die initiale Behandlungsphase erfolgt die ambulante Weiterbehandlung. Diese erfolgt meist im Rahmen strukturierter Behandlungsprogramme der Rehabilitation. Auch diesen Behandlungsabschnitt wird gemeinsam mit der Vertrauensperson geplant.
Die Vertrauenspersonen sind suchtmedizinisch und therapeutisch qualifizierte, erfahrene Mitglieder der Koordinierungsgruppe gegen Suchtgefahren der Landesärztekammer Brandenburg. Sie bieten aus kollegialer Fürsorge Unterstützung bei der Überwindung einer bestehenden Suchtproblematik mit dem Ziel, eine qualifizierte Ausübung des ärztlichen Berufs sicherzustellen.
Tun Sie den ersten Schritt!
Betroffene, Angehörige, Freunde oder Kollegen können sich jederzeit vertraulich per Mail suchtmedizin@laekb.de oder zu den Bürozeiten telefonisch unter T +49 331 505 605 721 an das Hilfsprogramm wenden bzw. über das Hilfsprogramm informieren oder direkt eine Vertrauensperson kontaktieren.
Merkblatt für das Hilfsprogramm bei Suchtmittelproblemen
Vertrauenspersonen
Die Vertrauenspersonen sind regional zugeordnet. Ihren Ansprechpartner wählen Sie frei. Liste herunterladen (PDF)
Weitere Informationen zur Suchtmedizin
Ärzte und Alkohol
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