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Nachbericht: Berufspolitische Veranstaltung "Mediensucht"

Nachdem sich die Landesärztekammer bereits bei der Kammerversammlung im November 2025, im Brandenburgischen Ärzteblatt und mit einer Pressemitteilung mit der „Mediensucht bei Kindern und Jugendlichen“ beschäftigt hat, bot die berufspolitische Veranstaltung am Mittwoch, 11. März, eine weitere Gelegenheit, das Thema intensiv unter die Lupe zu nehmen.

Medienunternehmer und „Elternzeit“-Blogbetreiber Tobias Dillinger führte mit einem Vortrag ein, der die Gefahren, denen Jugendliche in den sozialen Netzwerken ausgesetzt sind, in den Blick nahm. Dazu gehören neben pornographischen Inhalten auch Gewaltdarstellungen sowie Belästigung im Internet durch Pädokriminelle. In einem zweiten Vortrag zeigte Dr. med. Daniel Illy, Facharzt für Kinder- und Jugendpsychiatrie und Psychotherapie und Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapie, die Gefahren der Videospielsucht auf und nannte mögliche Therapieansätze. 

Gemeinsam mit Steven Rohbeck, Kinderarzt aus Potsdam und Dipl.-Med. Silke Felgentreff, Fachärztin für Kinder- und Jugendpsychiatrie und -psychotherapie, diskutierten Tobias Dillinger und Dr. med. Daniel Illy auf dem Podium mit Moderatorin Tatjana Jury im Anschluss darüber, welche Möglichkeiten Politik, Gesellschaft, Eltern und Schulen haben, den Medienkonsum bei Kindern und Jugendlichen einzuschränken oder zu regulieren. Genannt wurden die politischen Entwicklungen in anderen Ländern, beispielsweise das Social-Media-Verbot in Australien und die Planungen in Frankreich (Handy bis Klasse 9 in der Schule verboten) oder Spanien (Social-Media-Verbot bis 16). „Der Geist Social Media ist aus der Flasche, den bekommen wir auch nicht mehr hinein, aber was machen wir jetzt?“, fragte Moderatorin Jury.

„Wir haben verschlafen, über das Thema zu reden“

Aus medizinischer Sicht sei wichtig, führte Dr. Illy aus, dass in der Praxis die DSM-5-Abhängigkeitskriterien allesamt bei der Betrachtung eines Kindes oder eines Jugendlichen berücksichtigt werden sollten. Dazu gehören unter anderem Kontrollverlust, Wunsch zur Kontrolle, hoher Zeitaufwand, Entzugserscheinungen, die Aufgabe anderer Aktivitäten, Vernachlässigung von Verpflichtungen oder auch körperliche/psychische Probleme. „Wir haben verschlafen, in den vergangenen 15 Jahren über das Thema zu reden“, sagte er. 

Kinderarzt Steven Rohbeck nannte Beispiele aus der Praxis darunter ein Zwölfjähriger, der bei der Abfrage der Bildschirmzeit einen Rekord aufstellte: Zwölf bis 14 Stunden war er am Wochenende am Handy. „Herausgefunden habe ich das eigeninitiativ“, sagte Rohbeck. „Ein Screen hierzu ist im gelben Untersuchungsheft leider bisher nicht vorgesehen. Das Thema ist nicht verankert. Ich plädiere stark dafür, es endlich aufzunehmen

Plädoyer für Schutzraumerhalt

„Ich bin ganz stark für Schutzraumerhalt: im Kinderzimmer, im Kindergarten und in der Schule. Weil wir es eben nicht geschafft haben, die Nutzung zu regulieren. Werte, die wir analog verteidigen, gibt es online nicht Dort prasseln Homophobie, Frauenhass, Rassismus und vieles mehr ungefiltert auf die Kinder ein.“

Dr. Illy ergänzte: „Ein Handy sollte ein Werkzeug sein, wie ein Kochlöffel. Es sollte auch nicht sein, dass die Eltern am Sonntagmorgen am Handy sind und die Welt ins Schlafzimmer lassen.“ Steven Rohbeck ergänzte, es sei schwierig, Eltern beizubringen, dass es nicht gut ist, wenn Kinder beim Impfen mit dem Smartphone abgelenkt oder beruhigt würden. Er selbst hat seit kurzem eine handyfreie Praxis. „Das wird sehr gut angenommen“, schilderte er. 

Ein Fazit des Abends lautete, dass es wichtig bleibt und ist, in der Familie über das Thema zu reden, auch als Eltern zu reflektieren, wie es mit der eigenen Medienzeit aussieht. Darüber hinaus brauche es Präventionsprogramme und eine klare Umsetzung des geltenden Jugendschutzes seitens der Politik.